WeTab: Geschäftsführer nimmt nach desaströsem Start und Schummel-Bewertungen den Hut

Auf den ersten Blick muss Helmut Hoffer von Ankershoffen seine Geschäftsführer-Tätigkeit für die WeTab GmbH ruhen lassen, weil Blogger Richard Gutjahr aufgedeckt hat, dass Ankershoffen und seine Frau unter Pseudonymen zwei 5-Sterne-Jubel-Bewertungen bei Amazon vom WeTab veröffentlicht haben. In seiner nun veröffentlichten Stellungnahme geht er aber deutlich weiter: „Wegen der anhaltenden Diskussionen in der Öffentlichkeit rund um meine Person in den letzten Wochen“ werde er seine Tätigkeit als Geschäftsführer der WeTab GmbH ruhen lassen. Offenbar gibt es hinter den Kulissen weit mehr Auseinandersetzungen, als bisher in der Öffentlichkeit bekannt wurden.

Tatsächlich kann Intel mit dem WeTab nicht glücklich sein. Auf mehreren Messen und Veranstaltungen wurde das Tablet als mustergültiges Gerät in den Vordergrund gestellt und als die beste Intel-Alternative zu den ARM basierten Tablets von Apple und Samsung präsentiert. Verkauft wurde aber ein unfertiges Gerät, das mit einer geringeren Batterielaufzeit, höherem Gewicht, einem häufig anspringenden Lüfter sowie einer hakligen Bedienung und unvollständiger Software die Käufer mächtig enttäuschte – insbesondere da alle Mankos entgegen vorher gemachter Versprechungen bis zum Verkaufsstart hätten ausgemerzt werden sollen. Bereits im April hatte Ankershoffen im Telefongespräch mit iPadinside.de betont, man stehe bereits kurz vor der Massenproduktion und arbeite daran, bis Ende Juli die Software zu „optimieren“.

Die WeTab GmbH setzt sich aus zwei Unternehmen zusammen, die 4tiitoo aus München, die seit über drei Jahren an einer fingerfreundlichen Bedienoberfläche arbeitet (übrigens nicht notwendigerweise nur für Linux), und der Berliner Neofonie, deren Chef Ankershoffen ist und bleibt. Die beiden Firmen haben sich zusammengefunden, als die Münchner nach Kooperationen in der Verlagsbranche suchten, die zu Content- und Vertriebspartnerschaften (Stichwort: preiswertes Tablet gegen 2-Jahres-Abo) führen sollten. Ankershoffen hat aus seiner Vergangenheit als Chef der einst von ihm als deutscher Google-Konkurrenz ausgerufenen Paperball-Suchmaschine gute Kontakte zu Gruner & Jahr.

Das Hamburger Medienhaus diente denn auch auf der berühmt-berüchtigten Pressekonferenz im April als Launch-Partner, auf dem WeTab lief unter anderem eine Demo-Version vom Stern. Eine strategische Fehlentscheidung, so einseitig auf das WeTab zu setzen. Bei der Konkurrenz hat das freundlich gesagt zu Kopfschütteln geführt.

Fraglich ist, ob der Rückzug des Geschäftsführers das WeTab noch retten kann. Eine nahezu durchgehend negative Berichterstattung hat die Marke verbrannt, daran kann meines Erachtens die sehr späte Reaktion von Helmut Hoffer von Ankershoffen nichts mehr ändern. Denn die im Nachhinein zu vollmundigen oder falschen Versprechungen ihres Geschäftsführers haben die 4tiitoo-Macher zu lange mitgetragen.

Vielleicht hilft eine strategische Neuausrichtung, weg von der Tablet-Schmiede, die sie nie waren, hin zu einem Software-Haus, das mit der Daumennavigation ein potentiell sehr interessantes Bedienkonzept entwickelt und plattformübergreifend an Tablet-Hersteller verkauft – sprich, die Software aus Windows und Android portiert. Als Bastelgerät für Frickler kann das WeTab nicht mehr als einen mickrigen Nischenplatz einnehmen. Doch selbst dafür kann es inzwischen zu spät sein, da mit Windows Phone 7 und Android 3.0 in wenigen Wochen eine gewaltige Konkurrenz anrückt. Und dann ist da ja noch eine zweite iPad-Generation zu erwarten.

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Über Stefen Niemeyer

Stefen Niemeyer berichtet von Berlin aus über das iPad, er nennt seit dem 27.5. ein 3G-Modell sein eigen. Stefen hat die Entstehung von Windows XP bei Microsoft in Unterschleißheim begleitet, war kurze Zeit Pressesprecher von AMD und Redakteur der PC Professionell in München. Neben seiner Arbeit für die PR-Agentur Frische Fische, anfangs aus Dresden, jetzt im Berliner Büro, betreibt er noch die Seite Tabletprofi.com.

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