iPad-Einsatz im Bundestag künftig kein Problem mehr

In den Ausschüssen des Bundestages arbeiten zahlreiche Abgeordnete und Mitarbeiter wie selbstverständlich mit ihren Notebooks. Anders ist das im Plenarsaal, dem zentralen Debattenraum. Dort werden zwar SIMsen und Twittern unterm Pult sowie demonstratives Zeitungslesen geduldet, moderne Arbeitsgeräte sind bisher aber nicht erwünscht, ebenso wenig wie Handy- oder Smartphone-Telefonate. Grund: Die Aufmerksamkeit solle dem Redner und der Debatte gelten.

Ein wenig moderne Technik darf nun aber doch ganz offiziell in den Plenarsaal einziehen: Jimmy Schulz (FDP) und Volker Beck (Grüne) haben heute übereinstimmend getwittert, dass das Benutzen des iPads erlaubt werde. Das habe der Geschäftsordnungsausschuss einstimmig beschlossen.

Dem iPad kommt insbesondere zu gute, dass es geräuschlos arbeitet und ein reines Slate-Tablet ist, also ohne Tastaturgeklapper auskommt und nicht hochgeklappt auf dem Pult steht. Keine Überraschung also, dass Notebooks weiterhin nicht geduldet werden sollen, wie Schulz heute ebenfalls per Twitter mitteilte.

Diese Entscheidung zeichnete sich bereits vor der Sommerpause ab, als iPadinside.de einige Abgeordnete und die Bundestagsverwaltung nach ihrer Meinung fragte.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Jimmy Schulz, als er das iPad im Juni einfach zum Ablesen eines Redetextes nutzte. Ihm war bewusst, dass Geräte dieser Art nicht erlaubt waren. Er wollte damit allerdings eine Diskussion in Gang setzen, wie er damals sagte. Auf mittlere Sicht gehe es ihm darum, die Arbeit mit Hilfe von „digitalen Aktenordnern“ zu verbessern, beispielsweise für die Verwendung aktualisierter Tagesordnungen und Anträge, ohne sie erst ausdrucken und ins Plenum bringen lassen zu müssen.

Ähnlich äußerte sich uns gegenüber die Berliner SPD-Abgeordnete Eva Högl, die sich „mehr Pragmatismus und Aufgeschlossenheit gegenüber neuer Technik“ wünscht. Sie möchte, das Plenum auch für Laptops zu öffnen, um dort „generell die Präsenz zu erhöhen“. Die Linken-Abgeordnete Dagmar Enkelmann sagte iPadinside.de: „Der Schritt zu einem Laptop ist da gar nicht mehr weit, zumal andere Parlamente mit der Zulassung dieser Technik im Plenum ganz hervorragend zurecht kommen.“

Von CDU/CSU-Abgeordneten waren keine ablehnenden, aber abwartende Stellungnahmen gekommen, man wolle dem Geschäftsordnungsausschuss nicht vorgreifen. Offenkundig ist der Einsatz von Computern heutzutage keine Frage der Parteizugehörigkeit. Nur bei manchen Journalisten war die Debatte eine willkommener Anlass, den üblichen Spott zu verbreiten und auf „den“ Politikern rumzureiten.

Ein Detail am Rande: Jimmy Schulz hatte sein iPad erst wenige Stunden vor der iPad-Jungfernrede erhalten. Es war zum Glück nicht Windows 7 vorinstalliert und ein E-Mailkonto war schnell eingerichtet, aber noch keine Redner-Software aufgespielt. So hatte er sich seine Rede provisorisch als Dokument in einer E-Mail zugesendet, es auf dem iPad geöffnet und abgelesen. Anders als Apps wie iTeleprompter, Teleprompt+ oder Speechprompter scrollte der Text nicht automatisch weiter, so dass das Ganze etwas holprig war, wie dieses YouTube-Video zeigt.

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Über Stefen Niemeyer

Stefen Niemeyer berichtet von Berlin aus über das iPad, er nennt seit dem 27.5. ein 3G-Modell sein eigen. Stefen hat die Entstehung von Windows XP bei Microsoft in Unterschleißheim begleitet, war kurze Zeit Pressesprecher von AMD und Redakteur der PC Professionell in München. Neben seiner Arbeit für die PR-Agentur Frische Fische, anfangs aus Dresden, jetzt im Berliner Büro, betreibt er noch die Seite Tabletprofi.com.

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