iPad-Verkaufsstart in Berlin: Interview mit Gravis

Das iPad polarisiert in der medialen Öffentlichkeit, Interesse weckt es im privaten wie öffentlichen Leben aber immer. Mit dem offiziellen Verkaufsstart in Deutschland beginnt nun die Konfrontation der großen Sprüche (“magisches Gerät” und wieder mal eine “Revolution”) mit der Wirklichkeit. Heute haben schon moderate Käuferanstürme dazu geführt, dass angesichts der relativ geringen Stückzahlen in wenigen Stunden die Regale und Lager wieder leer waren. Wir haben uns für euch in Berlin umgeschaut.

Leere Läden
Die drei Apple Stores in Hamburg, Frankfurt und München öffneten bereits um acht Uhr, der Berliner Gravis tat es ihnen nach. Dort waren nach gut einer Stunde keine 3G-Modelle mehr vorrätig, M&M-Trading war komplett ausverkauft, im Saturn ein paar Straßen weiter gab es keine 16 GB-Modelle mehr.

Anfangs noch ein voller Gang hinter den Graivs-Kassen

Im Cyberport-Store konnten wir um halb zwölf lediglich ein leeres Regal bestaunen – das lag aber daran, dass erst gar keine iPads geliefert worden waren. Im Laufe des Nachmittags sollten ein paar Demo-Geräte eintrudeln – zu dieser Zeit kam beim nun ausverkauften Gravis bereits die erste Nachlieferung an. Die Händler erwarten in den nächsten Tagen unregelmäßig weitere Lieferungen für alle Standorte. Dennoch empfiehlt es sich gerade für Käufer mit langen Anreisewegen, telefonisch die Verfügbarkeit abzufragen.
Früh am Morgen

Bei Gravis standen bereits morgens um sechs die ersten Interessenten vor der Glastür des großzügigen Ladens am Berliner Ernst-Reuter-Platz. Sonja von Weltonline hatte zu dieser Zeit bereits ein erstes Video mit ihrem iPhone eingefangen. Als unser Reporter kurz vor Ladenöffnung um zehn vor acht Uhr auftauchte, war die Schlange bereits auf gut 250 tendenziell dunkel gekleidete Männer (ein paar Frauen bildeten die Ausnahme) angewachsen. Die Altersspanne reichte von 13 bis 63 (geschätzt).

Mufflige und zufriedene bis begeisterte Käufer

Nicht jeder will in der Mediengesellschaft mitspielen, der erste Käufer beim Berliner Gravis ließ sich zwar noch mit dem Geschäftsführer Jörg Mugke ablichten (siehe Bildergalerie), zu Interviews für die zahlreichen Fernseh- und Radiojournalisten war er aber nicht bereit. Beim Bezahlen hat er iPadinside bereits mitgeteilt, dass das iPad “ein Luxusgegenstand” sei und er es gar nicht brauche.

Nick "Ist das geil" 13

Seine Begeisterung offen zeigen konnte der 13jährige Nick, dessen Vater nach der Wende nach Berlin kam “um den Osten aufzubauen”, wie seine Mutter uns stolz erzählte. Er sei ein Computerfreak, probiere alles mögliche aus, berichtete sie weiter. Das wolle sie unterstützen, daher bekomme er nach iPhone, iPod und iMac nun das iPad. Er selbst sagt uns noch, er werde als erstes seine VZ-Netzwerk-Apps installieren und freue sich auf den Jailbreak. Mit den Worten “Ist das geil” stürmte er aus dem Laden.

Andere Käufer ließen es etwas ruhiger angehen. Der 20jährige Schüler Julian aus Dallgow bei Berlin will mit dem iPad sein Netbook ersetzen und freut sich auf Musik und Spiele. Er hat zwar die Berichte über das in Turbulenzen geratene Anti-iPad “WePad” gesehen, fand die Benutzeroberfläche aber “nicht berauschend”, während Apple für ihn “super innovativ und zuverlässig” sei.

Boris Wieting will kaufen

Boris Wieting, 47, arbeitet in der Pharma-Branche und will mit dem iPad vor allem Informationen sammeln und Zeitschriften lesen, zu Hause auf der Couch und insbesondere unterwegs im Café. Unterwegs habe er bisher immer das iPhone genutzt, jetzt freut er sich auf die deutlich längere Akkulaufzeit und den größeren und lesefreundlicheren Bildschirm. Bei seiner ersten Begegnung findet er das Tablet zwar unerwartet klein und schwer, will es aber dennoch haben. Gespannt ist er, ob es sich als eBook eignet. Er musste den ersten Laden aber ohne Gerät verlassen, da es keine 3G-Modelle mehr gab.

Käufer des ersten Tages Karsten Warrink

Neben dem Spaß und Lesen stehen für einige Käufer Lernen und Beruf im Vordergrund. Der 15jährige Jan aus Moabit war mit seinem sichtlich stolzen Vater gekommen, er will als erstes die iWork-Apps installieren und das iPad neben dem Surfen auf der Couch für die Schule nutzen.

Karsten Warrink, 38, ist Inhaber einer Ambient Media Agentur und will das iPad beruflich nutzen. Er will auf dem iPad Kundenpräsentationen durchführen und so “innovative Ideen auf einem innovativen Gerät zeigen”.

Happy Händler – aber angespannte Verfügbarkeit

Die ersten iPad-Käufer bei Gravis in Berlin am Freitag Morgen, 28. Mai 2010

In einem Gespräch mit iPadinside ist Gravis-Geschäftsführer Jörg Mugke von genau dieser Kombination für den professionellen Einsatz überzeugt: Außendienstler würden das iPad beispielsweise als elektronischen Katalog nutzen, “um die eigenen Marke mit Apple zu verbinden.” Das iPad sei eine “Weiterentwicklung des Schaufensters”, und ähnlich wie beim iPhone erwartet er, dass das Gerät zu einem neuen Medienverhalten führen werde.

Keiner der besuchten Händler konnte heute oder für die nahe Zukunft die Verfügbarkeit von iPad-Zubehör versprechen, die über diverse Drittanbietertaschen, Displayfolien oder Micro-SIM-Karten hinausgeht. Beim Gerät selbst erwartet Mugke, dass die Verfügbarkeit “in den nächsten vier bis acht Wochen knapp” bleiben werden – für ihn allerdings kein Grund zum Jammern oder Trauern, denn: “Die Situation beruht ja auf dem Erfolg.”

Geschäftsführer Mugke zeigt das iPadDamit waren wir auch schon bei der Konkurrenz angelangt, die ja noch einige Monate auf sich warten lässt. Hier ist Mugke pragmatisch, er erwartet einen “gesunden Wettbewerb”, wenn die anderen Tablets auch eher eine “andere Nische” bedienen würden statt sich als eine Alternative zu präsentieren.

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Über Stefen Niemeyer

Stefen Niemeyer berichtet von Berlin aus über das iPad, er nennt seit dem 27.5. ein 3G-Modell sein eigen. Stefen hat die Entstehung von Windows XP bei Microsoft in Unterschleißheim begleitet, war kurze Zeit Pressesprecher von AMD und Redakteur der PC Professionell in München. Neben seiner Arbeit für die PR-Agentur Frische Fische, anfangs aus Dresden, jetzt im Berliner Büro, betreibt er noch die Seite Tabletprofi.com.

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