iPad-Konkurrent WeTab: Zwangsaktivierung und Zwangswerbung für das Linux-Tablet

Auf dem Linux-Tag hat der CEO der WeTab GmbH, Helmut Hoffer von Ankershoffen, neue Details zum gleichnamigen Tablet-PC auf Basis von Intels Netbook-Technologie bekanntgegeben – und so ganz nebenbei zwei Geheimnisse gelüftet, die in der Fangemeinde heftige Diskussionen ausgelöst haben.

Das WeTab sei “primär eine Publishing-Plattform” für Zeitungen und Magazine, so von Ankershoffen. Daher müssen WeTab-Käufer vor der Inbetriebnahme das Gerät aktivieren (ein PC wird dafür nicht benötigt). So soll sichergestellt werden, dass jedes Gerät einem Nutzer zugeordnet werden kann und die Partner die entsprechenden Umsatzerlöse aus den App-Verkäufen bekommen. Zudem sei geplant, auf dem Homescreen des Linux-basierten 11,6-Zoll Finger-Tablets Werbung zu platzieren, die sich nicht wegklicken lasse, aber „verschiebbar“ sei. Vom Erfolg des WeTab ist von Ankershoffen weiterhin überzeugt, man bekomme “unglaublich viele Anfragen“ von Distributoren und App-Herstellern. Mitunter seien sogar “alle 32 eingehenden Telefonleitungen” belegt.

Als Grund für Zwangsaktivierung, Zwangswerbung und die Umsatzbeteiligung der WeTab GmbH an jedem Kauf einer App im sogenannten „Metastore“ nannte von Ankershoffen die geringe Marge beim Hardware-Verkauf. “Wir leben vom App-Verkauf”, sagt er und wies darauf hin, dass “der, der das Gerät verkauft, einen Teil der Erlöse erhält”.

Info-Schnipsel beim Hands-On

Bei der Präsentation des Geräts am Stand der BeLUG nannte von Ankershoffen weitere Details: „Wir sind froh, dass wir bis zu einem späten Zeitpunkt nur Aufkleber genommen haben, weil wir uns ja umbenennen mussten… äh, äh, durften, äh, wollten (Blick nach oben).

„Da ist ein Lüfter eingebaut, der bläst nach oben raus, also das wird warm, aber nicht heiß.“

„Kann man mal eine Android-App zeigen?“ – „Nein, wir wollen Android noch nicht zeigen, weil es noch nicht seamless ist, weil eine Android-Anwendung noch in einem Fenster läuft.“

Unsere Meinung

Von Ankershoffen hat es wieder einmal geschafft. Die Öffentlichkeit freut sich auf ein “freies”, nicht an einen Hersteller gebundenes Gerät, und plötzlich sieht alles ganz anders aus: Zwangsaktivierung und Zwangswerbung. Das macht möglicherweise aus Anbietersicht Sinn, dann darf man aber nicht erst falsche Hoffnungen wecken.

Genau das hatte von Ankershoffen schon bei der ersten Pressekonferenz vom damals noch WePad genannten Linux-Tablet getan: Alle Welt glaubte (oder bekam sogar versprochen), das Gerät ausprobieren zu können. Doch stattdessen wurde nur ein Video gezeigt und auf dem Gerät lief zudem Windows 7 statt Linux mit Daumen-optimierter Benutzeroberfläche. Das hatte der ODM-Hersteller kurzfristig so angeliefert – aber von Ankershoffen teilte es den Journalisten nicht offen mit, sondern versuchte es einfach zu vertuschen. Dank einer Windows 7-Warnmeldung, dass der Akku bald leer sei, wurde diese Schummelei jedoch publik und Ankershoffen wie auch das WePad-Projekt hatten einen Großteil ihrer Glaubwürdigkeit verspielt.

Jetzt wird klar: Das vermeintlich offene und “freie” oder gar freieste Finger-Tablet der Welt geht bei der Gängelung des Käufers einen wichtigen Schritt weiter als Apple. Beim iPad muss man zwar ebenfalls eine Online-Aktivierung durchführen (und benötigt dafür zusätzlich einen angeschlossenen Rechner mit installiertem iTunes), doch auf Zwangswerbung verzichtet Apple. Und ist bei aller Geheimniskrämerei offener als das Berlin-Münchner Kamikaze-Unternehmen.

Weitere Details zum WeTab

Das „WeTabOS“ basiert auf Linux Kernel 2.6.33, man verwende GTK 2.20, QT 4.7, Java VM 1.6, Adobe AIR 2.0 (sobald die finale Linux-Version vorliege), Android 2.0-2.2 (man werde noch “in diesem Jahr” Android 2.2 unterstützen, die neueste Version werde kommen “so schnell wir können und Ressourcen haben”).

Als Drucksystem setze man auf CUPS sowie WeTab Widgets, für den Browser die Webkit 2 Engine und Flash 10.1.

Zur genauen Verfügbarkeit des SDKs konnte er keine Angaben machen. Ein „Early Developer Program“ solle „Ende Juli“ starten, Entwickler sollten Fragen an linux-apps@wetab.mobi senden. Er betonte besonders, dass nur Entwickler diese Adresse nutzen sollten, denn „Manche Leute wissen gar nicht, was sie fragen, wenn sie was fragen.“

Das Display löst mit 1366 x 768 Pixeln auf, die Entwickler sollten ihre Apps aber für eine Auflösung von 1246×768 Pixel schreiben, um Platz für die Navigationsleisten links und rechts zu lassen.

Eine FAQ, die die Fragen der Community beantworte, die in den letzten Wochen aufgekommen seien, sollte am vergangenen Freitag auf der Facebook-Seite veröffentlicht werden.

Eine Rescue- oder Recovery-CD werde nicht mitgeliefert, wenn man das System neu aufsetzen will, müsse man es zum Service bringen. Die Daten würden beim WeTab “in der Cloud gesichert” und würden daher nicht verloren gehen. Das WeTab ist mehrbenutzerfähig.

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Über Stefen Niemeyer

Stefen Niemeyer berichtet von Berlin aus über das iPad, er nennt seit dem 27.5. ein 3G-Modell sein eigen. Stefen hat die Entstehung von Windows XP bei Microsoft in Unterschleißheim begleitet, war kurze Zeit Pressesprecher von AMD und Redakteur der PC Professionell in München. Neben seiner Arbeit für die PR-Agentur Frische Fische, anfangs aus Dresden, jetzt im Berliner Büro, betreibt er noch die Seite Tabletprofi.com.

3 Gedanken zu „iPad-Konkurrent WeTab: Zwangsaktivierung und Zwangswerbung für das Linux-Tablet

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