HP TouchPad: Die Details zum WebOS-Tablet und ein Kommentar

Wer die HP-/Palm-Veranstaltung auf unserem Twitter-Account verfolgt hat, konnte sich des Gefühls nicht erwehren, das alles schon einmal erlebt zu haben. Indirekt wurde immer wieder der Vergleich mit dem iPad gezogen, was das künftige HP TPad TouchPad alles besser könne (true Multitasking, Flash, USB…), dass man in einigen Monaten ein fertiges Gerät auf den Markt bringen würde. Selber Ausprobieren war im Anschluss nicht erlaubt. Fehlte eigentlich nur noch eine Windows 7-Warnmeldung auf einem Demo-Gerät und das WeTab-Gefühl wäre perfekt gewesen.

Aber HP und Palm sind nicht Neofonie oder 4tiitoo, sondern haben Jahrzehnte mehr an Erfahrung in Hard- und Software-Entwicklung als die WeTab-Macher. Nehmen wir das Gerät und die Plattform also Ernst, insbesondere weil HP zum Schluss der Veranstaltung noch einen Kracher parat hatte, aber dazu später mehr.

Zunächst zum Gerät und anschließend Einzelheiten zu seinem Betriebssystem. Das TouchPad von HP (Homepage derzeit hier) ähnelt nicht nur auf den ersten Blick in vielen Eigenschaften dem ersten iPad und geht, ein Jahr nach Vorstellung des erfolgreichen Finger-Tablets von Apple, teilweise darüber hinaus.

Der Bildschirm unterstützt Multitouch, ist mit 9,7 Zoll und 1024×768 genauso groß, Gewicht und Maße sind nahezu identisch (740, iPad 3G 730 Gramm), eingebaut sind WLAN 802.11b/g/n und Bluetooth (mit Stereo-Support), 16 oder 32 GB interner Flash-Speicher, sowie Beschleunigungs- und Lichtsensor. Wie beim iPad gibt es eine Variante mit 3G-Modul, die auch ein GPS-Modul enthält. Die nicht näher beschriebene Batterie verfügt über eine Kapazität von 6300 mAh (iPad: Lithium Polymer mit ca. 6600 mAh), so dass, vorsichtig geschätzt, eine Laufzeit von über acht Stunden erreichbar sein sollte. Besonders hervorgehoben hat HP die Stereo-Lautschsprecher von Beats, die bereits in andere HP-Notebooks eingebaut sind.

HP TouchPad

Deutliche Unterschiede zeigen sich erwartungsgemäß beim Prozessor und Speicher. Das TouchPad verfügt über einen Doppel-Prozessor von Qualcomm mit je 1,2 GHz Taktung sowie über 1 Gigabyte Arbeitsspeicher. Hier liegen die Werte vom iPad mit 1 GHz Einzel-CPU und 256 MB RAM deutlich zurück. Aber im Sommer, wenn das TouchPad in der WLAN-Version erscheint, wird das zweite iPad der Maßstab sein, das ähnliche Werte aufweisen wird. Vorhanden ist zudem ein Micro-USB-Anschluss.

HP spendiert dem TouchPad eine 1,3 Megapixel-Kamera auf der Bildschirmseite für Video-Anrufe. Das erste iPad hat keine, das zweite wird eher eine höher auflösende Kamera haben.

Das Betriebssystem WebOS unterstützt Adobe Flash (derzeit Beta 10.1) und „echtes Multitasking“, erlaubt das Sammeln von Anwendungen in „Cards“ (Karten) genannten Stapeln, bietet „in WLAN-Umgebungen“ das Senden und Empfangen von Instant Messenges und SMS, Voice- und Video-Telefonie („in Zusammenarbeit mit Skype“).

Recht gelungen erscheinen ein Cloud-basierter Synchronisierungsdienst, der MobileMe von Apple ähnelt und Kalender, Emails und Kontakte zwischen Geräten abgleicht, an denen man sich mit einem Palm-Account angemeldet. Die Mail-App eignet sich für Exchange-, POP- und IMAP-Konten.

Nutzt man ein gestern ebenfalls vorgestelltes Smartphone mit WebOS, kann man bei Berührung Webseiten-URLs, Textnachrichten und Telefonanrufe auf das TouchPad übertragen („HP TouchStone“).

Offengeblieben sind zwei wesentliche Fragen nach Verkaufsstart und Preis. HP spricht vom „Sommer“ für die WLAN-Variante, der Heise-Newsticker berichtet von einem „unter Hand genannten“ Launch im Juni. Das TouchPad mit 3G soll laut HP-Website „später“ erscheinen. Auch das kennt man vom ersten iPad.

Kommentar

Für ein abschließendes Urteil ist es noch viel zu früh. Die Software ist noch nicht fertig, das Gerät erst im Sommer auf dem Markt und die Konkurrenz bis dahin wesentlich größer als heute. Aus diesem Grunde, und weil man die Reaktionen in Presse und potentieller Kundschaft auswerten will, hat HP noch keinen Preis genannt.

Innovativ, die Kernkompetenz von HP aus früheren Zeiten, ist an dem Gerät aber zu wenig, so sehr hat sich HP bei Gestaltung und Ausstattung am iPad orientiert. Wer sich aus grundsätzlichen Erwägungen nicht auf Apple einlassen will („goldener Käfig“), wird das TouchPad neben bis dahin verfügbaren Android-Tablets aber sicher in die engere Wahl ziehen – wenn es hält, was gestern versprochen worden ist.

Mehr Fragen als Antworten gibt es beim Betriebssystem WebOS. HP hat zum Abschluß Microsoft einen verbalen Schlag verpasst mit der Ankündigung, das Betriebssystem nicht nur auf Smartphones, Finger-Tablets und Druckern, sondern auch auf PCs einzusetzen. Ein Kracher, eine Nachricht mit potentiell großen Auswirkungen. Doch gab es keine tiefergehenden Informationen, so dass über die Ernsthaftigkeit nicht viel gesagt werden kann. Hat HP langfristig das Ziel, Windows zu ersetzen? Ist eine WebOS-Variante als optischer Aufsatz von Windows-Rechnern mit Touch-Unterstützung gedacht? Geht es um ein Ökosystem für Consumer oder für Business-Kunden? Spannend wird es in Betriebssystem-Welt allemale.

Palm hat auf YouTube eine Aufzeichnung der Veranstaltung veröffentlicht:

HP webOS Think Beyond Event (February 9th, 2011)

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