QUE ProReader von Plastic Logic: Erste Dresdner Mission gescheitert

Die Revolution sollte nicht mit dem WeTab von München und Berlin aus angeführt werden, sondern aus Dresden kommen. Ein deutsch-britisch-amerikanisches High-Tech-Unternehmen wollte mit dem in seiner Dresdner Fabrik produzierten E-Reader ab Anfang 2009 “eine Revolution anführen, wie Menschen Informationen erhalten, organisieren und konsumieren”. Inzwischen hat Apple weit über drei Millionen iPads verkauft, den QUE ProReader gibt es bis heute nicht. Jetzt hat Plastic Logic die Notbremse gezogen und verkündet, dass die erste Generation des Gerätes nicht mehr auf den Markt gebracht werde. Der Markt habe sich “in letzter Zeit dramatisch geändert”, so die Pressesprecherin gegenüber iPadinside.de. Aufgrund der zahlreichen Verspätungen mache es keinen Sinn mehr, das vor allem für professionelle Nutzer gedachte Gerät zum Lesen und Bearbeiten von Dokumenten anzubieten.

Richard Archuleta, CEO und zuvor unter anderem Vize-Präsident von HP, spricht in einer Pressemitteilung von einer “schweren Entscheidung”, die aber  am besten sei für (in dieser Reihenfolge) die Firma, die Investoren und die Kunden. Man müsse einen neuen Fokus finden und redesignen. Aufmerken ließ zunächst, dass er auch von einem “retoolen” spricht. Zudem sprechen die Kollegen von Engadget davon, dass es Investoren-Interesse aus Russland gäbe, diese Investoren aber eine Produktion in Russland verlangten.

Die deutsche Pressestelle versichert uns gegenüber aber, dass “die Produktion hier in Dresden” erhalten werde. Beschädigt ist der “Standort Dresden” dennoch. Er stehe für “eine Kombination aus Entwicklungs- und Fertigungskompetenz”, hatte der Fabrikchef Konrad Herre bei der Einweihung der Fabrik vor fast genau zwei Jahren im September 2008 gesagt. Dieser Leuchtturm leuchtet jetzt nicht mehr ganz so stark.

Unklar ist, wie fest die Investoren derzeit zu Plastic Logic stehen. Dennoch verfügt das Unternehmen über weitaus mehr Substanz und Kompetenz als die WeTab-Kamikazetruppe, so dass die Zukunftsaussichten der Dresdner weitaus besser sind als die des Berlin-Münchner Unternehmens.

Das Gerät sollte für 800 US-Dollar mit 8 GB Speicher, WLAN und UMTS ausgerüstet auf den Markt kommen, zunächst war von Anfang 2009 die Rede, zuletzt von einem Launch bis zum Ende diesen Jahres. Das Display ist nicht aus Glas, sondern aus Plastik, so dass extrem dünne und leichte Geräte möglich sind. Man wollte einen neuen Standard für das elektronische Lesen setzen und hatte bereits einige wichtige Contentpartner an Bord, darunter das Wall Street Journal. Details über das Nachfolgegerät sind noch nicht bekannt, aber in einem Gespräch mit Technology Review sprach der Mitgründer Henning Sirringhaus bereits im April von einem Display mit Video-Support.

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Über Stefen Niemeyer

Stefen Niemeyer berichtet von Berlin aus über das iPad, er nennt seit dem 27.5. ein 3G-Modell sein eigen. Stefen hat die Entstehung von Windows XP bei Microsoft in Unterschleißheim begleitet, war kurze Zeit Pressesprecher von AMD und Redakteur der PC Professionell in München. Neben seiner Arbeit für die PR-Agentur Frische Fische, anfangs aus Dresden, jetzt im Berliner Büro, betreibt er noch die Seite Tabletprofi.com.

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